ELLEN FUHR
 
 

Pressestimmen

Das Großstadtleben - dafür steht auch das Glasdach des Hauptbahnhofs, der in mehreren Bildtiteln direkt benannt wird - bildet den Boden für träumerische Verquickungen und Vorstellungen, für phantastische Zusammentreffen in den zwischen 2001 und 2010 entstandenen Bildern - eine Art Stillleben, ihrem Wesen nach moderne Allegorien des Lebens.
Lisa Werner-Art in: Dresdner Neueste Nachrichten, 24.6.2010 zur Ausstellung in der Galerie Finkbein Dresden

Fuhrs jüngere Bilder sind Allegorien im altertümlichen Sinne des Wortes. Elemente der Großstadt-Architektur und Interieur komprimiert, des vielleicht idyllischen Zusammenhangs entledigt, mit anderen Elementen kombiniert. Dazu gelegentlich Gesichter, träumend, hoffend, suchend. Das zu enträtseln wird man nie fertig. "Allegorische Szenen sind zurzeit mein Thema. Ich probiere aus, suche. Die Allegorien sind die Verbindung zu meiner Vorliebe zum Literarischen. Ich habe eine literarische Grundader". Das spürt man, und es gehört zur Faszination ihrer Bilder.
Veit Stiller in: Die Welt, 23.2.2007 zur Ausstellung in der Galerie Leo.Coppi Berlin

Der vehemente Gestus, mit dem Ellen Fuhr ihre Arbeiten zu einer beeindruckenden Dichte bringt, spricht für Leidenschaft. Aber ihr Ausgangspunkt ist die gezielte Form, die Linie. Mit ihr umreißt, benennt sie die Tatsachen. Ihr bildnerisches Denken lebt aus der Spannung zwischen den Polen Expression und gedankliches Konzentrat.
Peter Arlt in: Thüringische Allgemeine, 26.09.2001 zur Ausstellung in Ilmenau

Ellen Fuhr zeigt in ihrer Malerei Altes mit Neuem, kühne und wuchtige Konstruktionen, die unvermittelt oder gar nicht enden, vereint mit Symbolen, Gesichtern, Masken. Die Ambivalenz der Moderne, Unsicherheit gegenüber der dynamischen Entwicklung und Sehnsucht nach Geborgenheit scheint aus diesen Bildern zu sprechen.
Peter Jochen Winters in: FAZ, 30.10.2000 zur Ausstellung "Berliner Bilder" im Roten Rathaus, Berlin

Ellen Fuhr malt neuerdings wie im Transit: acht Jahre Reisen nach der Wendezeit, offene Grenzen, weite Welt, Staunen, Befremden, Erfahren, Begreifen… Nach wie vor arbeitet Ellen Fuhr, die zu den wichtigen Künstlerinnen des Berliner Ostens gehört, mit stark graphischen Mitteln. … Im Gefüge der urbanen Zeichen und Formen zeigt sich ihre Suche nach Analogien, nach Wiedererkennbarem – und nach einer gemeinsamen Ordnung in diesen verschiedenen Welten, der ihr bekannten und der unbekannten.
Ingeborg Ruthe in der "Berliner Zeitung" 7.5.1998 zur Ausstellung in der Galerie Leo.Coppi

Die Gemälde und Zeichnungen der Berliner Malerin zählen zum Höhepunkt der Ausstellung. In der Tradition des Dresdener Expressionismus hat Ellen Fuhr großformatige Porträts geschaffen, die sich abstrahierend von ihren Vorbildern gelöst haben…. Es sind Großstadt-Gesichter, die an die zwanziger Jahre erinnern, und doch Gesichter unserer Zeit, die hier für sich einnehmen.
Andrea Hilgenstock in der "Berliner Morgenpost" 14.10.1998 zu der Ausstellung "Trau Deinen Augen" in der Festspielgalerie Berlin


Texte zu Ausstellungen

Ellen Fuhr schreckte nicht vor der Bearbeitung von Radierplatten zurück, die über das Maß weit verbreiteter Ängstlichkeit hinausgehen, und grub ihnen ihre Befürchtungen ein. Voll sinnlicher Fülle, Genauigkeit und subjektiver Deutung sind ihre Porträts in Gouache. … Vor unseren Augen öffnet sich eine Bildwirklichkeit in farblich subtiler Inszenierung, unabhängig von der Suche nach neuen Reizen, groß in der Verhaltenheit des Alltäglichen.
Christoph Tannert im Begleittext zur Ausstellung in der Galerie Comenius, Dresden 1984

Wenn eine Künstlerin wie Ellen Fuhr Stadtlandschaften malt, sind keine Ausflüge in die Architektur zu erwarten. … Die Arbeiten leben in ihrem Duktus aus den Erfahrungen Dresdner Kunst, die den Radierungen malerische Töne gibt und der Malerei Zeichnerisches belässt. Und sie belegen in ihrem stilsicheren Bau die Herkunft ihres Lehrers, dem Zeichner Gerhard Kettner. Den Blättern eignet eine scheinbare Leichtigkeit im Entstehen, ein Setzen auf den ersten Wurf. Die stupende Sicherheit des Bildentwurfs wird gekontert von den Zweifeln der Künstlerin, von ihrer Skepsis gegenüber der eigenen Arbeit.
Detlev Lücke, Eröffnung der Ausstellung in der Galerie am Strausberger, Platz Berlin 1993

Ellen Fuhr komponiert schwungvoll perspektivisch sich verengende wie plötzlich öffnende Fluchten, sie zeichnet mit heller Kreide Konturen darüber und setzt Zeichen in die Landschaft, Spurensicherung auf mehreren Ebenen. Mit Uhr, Kaffeetasse, Quantenpendel wird ein assoziativer Gedächtnisspeicher aktiviert.
Astrid Volpert, Eröffnung der Ausstellung in der Galerie Hintersdorf Berlin 1999


Ellen Fuhr - aus eigenen Texten

Aufmerksamkeit ist notwendig, und Sehen ist Wiedererkennen. Die Beobachtungen fügen sich zu Mustern. Unabhängig vom Bewusstsein gibt es die Wirklichkeit der Außenwelt. Als Bedingung für Bewußtsein muß sie gesetzmäßig sein.
Katalog "Ellen Fuhr - Expeditionen" 1998

Immer wieder wird laut die Frage gestellt, ob es denn heute noch angemessen und zeitgemäß sei, Bilder zu malen, Papier zu bezeichnen, traditionell mit Kohle und Graphit. Das ist eine Frage, die mich zutiefst betrifft, denn man sollte wissen, was und warum man es tut. Warum wird nicht gefragt, weshalb die Menschen immer noch Klavier spielen und Lieder singen, den Kindern Märchen erzählen und Romane schreiben, Liebesgeschichten und Tagebücher, etwas handschriftlich festhalten wollen.
Katalog "Märkische Wandlungen" zur gleichnamigen Ausstellung 1999

Natürlich ist mein Blick nicht frei von Romantik. Meine Stadtbilder sind romantisch in dem Sinne, als sie, zwar von realen Orten und Anlässen ausgehend, Projektionen sind, erdachte Räume, in die ich meine Erlebnisse und Gedanken verlagere, in denen ich sie aufzeichne wie in einem Tagebuch. Auch all das, was sich schwer in Worten ausdrücken lässt, ohne in die unscharfen Regionen zu rücken, in denen metaphysisch missdeutet wird...
Katalog "Ellen Fuhr" zur Ausstellung im Kunstverein Salzgitter 1999

… Dabei sind irrationale Begründungen und metaphysische Erklärungen keine notwendigen Voraussetzungen, um ein Bild zu malen… In einem Vortrag des amerikanischen Neurophysiologen Christoph Koch hörte ich, dass 55 % unserer Gehirnaktivitäten das Sehen betreffen, und Crick sagt: Sehen ist Denken!
Katalog "Ellen Fuhr - Pole und Pendel" Berlin 2001